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Aus dem Kopf zeichnen

16. Januar 2009 | von Markus

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Ich treffe oft auf Leuten, die auch gerne zeichnen aber der Auffassung sind, dass sie keine guten Zeichner sind, nur weil sie nicht aus dem Kopf zeichnen können – also irgend etwas auswendig zeichnen können. Diese Selbstkritik höre ich irgendwie häufig im Künsterforum oder in Emails, in denen mich andere Hobbykünstler um Rat fragen.

Ich war früher auch der Meinung, dass man alle möglichen Dinge auswendig zeichnen können muss, um als guter Zeichner zu gelten Dabei ist es überhaupt nicht notwendig! Auswendig aus dem Kopf zeichnen können wirklich die Wenigsten, denn es ist extrem zeitaufwendig und schwierig ein Objekt sozusagen „auswendig zu lernen“. Außerdem macht es nicht zwangsläufig Sinn dies zu tun (auch wenn es sicherlich eine gute Gedächtnis- und Zeichenübung ist).

Ich denke, es ist viel wichtiger gut abzeichnen zu können – ob von einem Foto oder einem realen Zeichenobjekt. Für mich ist es wichtig, dass man beim Zeichnen in der Lage ist einen Gegenstand richtig proportioniert abzeichnen zu können. Und das ist bereits schwer genug.

Also liebe Zeichner und Maler, lasst Euch nicht entmutigen, wenn es mit dem „aus dem Kopf zeichnen“ nicht klappt. Und auch das bloße Abzeichnen kann schon herausfordernd genug sein. Es ist aber – wie so vieles – zu großen Teilen Übungssache. Also, niemals aufgeben!
Und noch etwas… selbst ambitionierte Hobbykünstler und professionelle Zeichner greifen schon mal zur Trickkiste und pausen ihre Vorlagen einfach ab ;-).


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8 Kommentare zu “Aus dem Kopf zeichnen”

  1. Gunther

    aus dem Kopf zeichnen heißt nicht auswendig gelerntes wiederzugeben; auswendig lernen ist in der Tat völliger Quatsch. Aus dem Kopf zeichnen bedeutet, mit der eigenen Vorstellungskraft Dinge auf Papier zu bringen, ohne Vorlagen. Wenn ich ein Bild im Kopf habe kann ich dieses sofort auf Papier anskizzieren und muß nicht erst jede Menge Fotovorlagen besorgen bis ich dann endlich meine Idee nur annähernd krampfhaft nach den Vorlagen umsetzen kann. Es gibt eben Unterschiede zwischen Sonntagsmalern und wahren Könnern.

  2. Jörg

    Hallo Markus,
    im Grunde hast du schon Recht und abzeichnen ermöglicht gutes Kunsthandwerk.
    Zur wirklichen Kunst gehört aber weitaus mehr. Sie muss im Kopf entstehen. Natürlich die Eckpunkte müssen stimmen aber alles dazwischen muss mit deiner eigenen Erfahrung gefüllt werden. Technik gehört dazu, aber das wirklich Wichtige sind deine Gedächtnisinhalte. Wer begabt ist der sollte die Welt intensiv betrachten, beispielsweise eine Wolke, wie viel Gelbanteile, Blau, Lila, Grau finde ich in ihr, wie ist ihre Form, wie würde ich das zeichnen oder malen. Der Urlaub ist für diese Arbeit besonders geeignet.
    Beobachten ist mein Rat an jeden der kreativ sein möchte, die Technik verbessert sich ganz von allein.

    Gruß Jörg

  3. Basti

    Das ist aber net das selbe etwas aus den Kopf (bzw. den Gedanken)“Abzeichnen“ und etwas auswendig zu lernen!?!

    weil wenn mann sich etwas(z.b. ne Comic Figur) in den Gedanken vorstellt zeichnet mann sie auch ab…und lernt sie net auswendig!?!

    daher finde ich aber auch das das „Abzeichnen“ wichtig ist

    gruß Basti/Konsolero82

  4. admin

    Danke für Eure Kommentare!

    @Gunther:
    Mit dem Ausdruck „aus dem Kopf“ zeichnen habe ich „auswendig aus dem Kopf zeichnen“ gemeint. War in der Überschrift evtl. etwas zu unpräzise ausgedrückt. Die meisten Leute, mit denen ich mich so unterhalten habe, haben den Begriff eben auch so gewählt. Und viele meinen, dass sie keine guten Zeichner wären, nur weil sie nicht alles mögliche auswendig zeichnen können. Finde das ist aber unsinn. Daher der Artikel.
    Was Du unter „aus dem Kopf“ zeichnen verstehst, nenne ich immer aus der Fantasie zeichnen 😀 .

    Allerdings, wer Vorlagen benutzt ist für mich nicht automatisch ein „Sonntagsmaler“. Sowas ist meiner Meinung nach unschönes Schubladendenken und setzt dem was man Kunst nennt Grenzen, die es nicht geben sollte.

  5. Jörg

    Nun, da bin ich noch mal,
    natürlich stehe ich zu meiner Aussage, aber alle Fotorealisten und Hyperrealisten malen natürlich auch ab und sind besonders in Amerika anerkannt! Abzeichnen ist kein Makel sondern eine andere Art der Kunst – das wollte ich nur klarstellen.
    Gruß, Jörg Schlichtholz

  6. Anna

    Ist Picasso ein sonntagsmaler weil er die Mona Lisa abgezeichnet hat? Ich denke nicht! Abzeichnen ist allerdings etwas anderes als abpausen.. Abpausen Kann jeder aber einen Gegenstand oder eine Person zu zeichnen das/ die vor einem steht etwas ganz anderes… Jeder zeichnet etwas anders ab, in seinem eigenen Stil … Und es ist auch nichts schlimmes sich von anderen Künstlern inspirieren zulassen und Dinge die eienem gefallen, in sein Bild zu importieren. Ich persönlich muss für mein Studium ( kommunikationsdesign) vielfälltige Ideen entwickeln wenn man sich allein nur im Alltag ein wenig Gedanken macht fällt einem viel ein und wenn ich probleme mit der Umsetzung habe schau ich ein wenig im Internet und lass mich inspirieren.

  7. Peter

    Mit dem Ansatz: „Zeichnen lässt sich nur, was sich _ab_zeichnen lässt“, habe ich zwei Probleme:

    Nehmen wir an, ich muss nächstens einen Vortrag halten und brauche hierfür ein Bild mit einem Wandersmann im Urwald, neben dem ein sprechendes Äffchen auf einem Baum hockt. (Ja, diese Situation ist realistisch: Genau das ist mir vor einigen Wochen genau so passiert.)

    Problem 1: Wo um alles in der Welt soll ich ein Äffchen neben einem Wandersmann im Wald herbekommen, damit ich diese abzeichnen kann? Im Zoo etwa? Und was, wenn ich für meinen Vortrag kein Äffchen, sondern einen Drachen benötige?

    Problem 2: _Hätte_ ich die beiden tatsächlich zufällig zur Hand, dann wäre mein Mittel der Wahl für das Abzeichnen eine Digitalkamera. Die erledigt das im Bruchteil einer Sekunde, und das Ergebnis lässt sich mit einem Beamer prächtig an die Wand werfen.

    Also: Der Grund, warum ich etwas _überhaupt_ zeichnen will, ist gerade, dass es das in Wirklichkeit _nicht_ gibt. Genau _deswegen_ soll es ja es mit Kugelschreiber oder Edding erschaffen werden!

    Zeichnen nur als _Ab_zeichnen zu begreifen, das löst mein Problem nicht. Hierfür ist es einfach _erforderlich_, auch aus der Phantasie zeichnen zu können.

  8. admin

    Hallo Peter,
    was du schreibst ist nicht falsch. Jedoch richtet sich mein Beitrag hauptsächlich an Anfänger. Für einen Anfänger ist es zunächst – meiner Meinung nach – nicht so wichtig aus dem Kopf zu zeichnen. Üben kann man sehr gut, wenn man abzeichnet. Mein Hauptanliegen ist es, dass Anfänger nicht gleich entmutigt sind.

    Zu deinem Problem 1: Hierzu fertigt man in der Regel zeichnerische Studien an. Das haben Zeichner und Maler bereits vor hunderten von Jahren so gemacht. Man untersucht dabei das Motiv zeichnerisch, bis man es quasi durchdrungen hat = Abzeichnen. Irgendwann ist man dann in der Lage ein Zeichnung frei zu gestalten – also aus dem Kopf zu zeichnen. Man kann sich an seinen eigenen Vorlagen orientieren oder kennt Form und Wesen des Motivs bereits so gut, dass man völlig frei zeichnen kann.

    Zu Problem 2: Tja, also, wer gerne zeichnet, der will eben auch zeichnen und nicht fotografieren. Die beiden Kunstformen unterscheiden sich ja auch deutlich voneinander – auch das Ergebnis. Wenn es um die Abbildung von etwas geht, das nicht in der Wirklichkeit existiert, kann ich das ja auch mit der Fotografie hinkriegen -> wozu gibt es digitale Bildbearbeitung? Damit kriegt man so ziemlich alles hin, wenn man es beherrscht.

    Wenn du wirklich etwas zeichnerisch darstellen willst, das so nicht in der Realität existiert und das Ganze aber sehr realistisch aussehen soll, dann ist das ein relativ weiter Weg. Auch wenn du bereits ein geübter Zeichner bist, würde ich sagen, dass das einige Arbeit voraussetzt.

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